Krähentisch - Kriminalroman 2015
Der Roman erschien am 29. Mai 2015 im Spielberg Verlag Regensburg
Buch, ISBN 978-3-95452-680-2 9,90 Euro 150 Seiten, Textumfang ca. 27500 Wörter
eBook, erschienen am 21.07.2015, ISBN 978-3-95452-070-1 3,99 Euro
Zeit und Orte:
Ende Juni bis Mitte August 2014
Freystadt und Umgebung, Sulzbürg, Buch, Neumarkt, Regensburg, Nürnberg
Der Roman kann in jeder Buchhandlung erhalten oder bei mehreren Internetanbietern bezogen werden
oder direkt beim Autor vor Ort gekauft oder bestellt werden - Versand vom Autor mit Portoaufschlag.
Die Hausbrauerei Katzerer in Sondersfeld bietet zum Roman ein Krimibier an.
Inhalt
Im Oberpfälzer Jura überschlagen sich die Ereignisse. Unfall oder Mord? Im Nu ist nichts mehr wie es war.
Verdächtigungen werden gestreut. Was einige Frauen wahrzunehmen glauben, steht im Widerspruch zu den
Fakten. Dennoch will sich Frieser, der ermittelnde Kriminalbeamte, auch damit befassen. Doch plötzlich ist
Eile geboten. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Der Krähentisch rückt in den Brennpunkt…
Inspiriert von einer wahren Begebenheit
Hoch
über
dem
Felsplateau
nahe
der
Burg
Wolfstein
sind
Krähen
am
Himmel.
Ihre
kehligen
Schreie
verhallen im Tal…
Siehe Rubrik Aktuelles: Laudatio des Juristen Florian Schübel anlässlich der Vorstellung von
Krähentisch
Februar/März 2017 - Realschule Neutraubling: Krähentisch ist im Deutschunterricht der
9. Jahrgangstufe Thema einer Projektschulaufgabe
Wolfgang Fellner, Lokalredakteur der Neumarkter Nachrichten, schreibt über den Roman anlässlich der Lesung vom 10.
Dezember 2013 im Rahmen von "Freystadt liest":
Spannend:
"Krähentisch" lockt viele Gäste
FREYSTADT - Vor vollem Haus gab es die letzte Lesung von Freystadt liest vor Weihnachten: Über 30 begeisterte
Literatur-Fans waren da, um Hans Regensburger zu lauschen, der eine Werkprobe aus seinem ersten Krimi gab. Das
Café im historischen Spitalstadl war übervoll, als der bekannte Mörsdorfer zu den ersten Seiten seines derzeit im
entstehen begriffenen Buches griff. "Haben Sie denn keinen Krimi im Angebot", sei er in letzter Zeit immer wieder von
Verlegern gefragt worden. Habe er nicht, sagte Regensburger, weil er sich für dieses Genre eigentlich nicht so
erwärme.
Umso spannender dann das, was sich in "Krähentisch" abspielt. Regensburger überzeugt auf den ersten Seiten durch
große Beobachtungsgabe, stellt seine Figuren geschickt vor und hat vor allem einen grausigen Plot gefunden. Als es
richtig spannend wurde, war Schluss. Die Auflösung, sagt er nach viel Applaus, gebe es vielleicht im kommenden
Herbst.
Leseprobe
1.
Der
Wetterbericht
versprach,
dass
sich
auch
dieser
Montagvormittag
zu
einem
ähnlich
heißen
Sommertag
entfalten
würde
wie
die
Tage
zuvor
–
für
Zimmerer
am
Bau
tausendmal
besser
als
Regen,
Wind
und
Kälte.
Zwei
von
ihnen
setzten
am Rande von Freystadt dem Neubau eines Wohnhauses den Dachstuhl auf.
Es
war
unvermeidlich,
dass
deren
Werkeln
auch
in
die
unmittelbare
Umgebung
dieser
Baustelle
drang.
Jenseits
dieses
Zirkels
lag
im
Westen
die
Straße
nach
Neu
markt,
im
Norden
der
Fohlenhof,
im
Osten
die
Marienvorstadt
und
im
Süden
die
Wallfahrtskirche.
Wenngleich
das
Hantieren
dieser
Handwerker
von
den
Leuten
in
der
Nähe
kaum
überhört
worden
sein
konnte,
dürften
sie
ihm
keine
besondere
Aufmerksamkeit
geschenkt
haben.
Einerlei,
ob
das
helltönende
Hämmern
ab
und
an
im
Takt
erklang,
eintönig
eine
Kreissäge
kreischte
oder
eine
Motorsäge
knatterte
oder
heulte.
Wer
wollte
wegen
solcher
Geräusche
und
Töne,
die
zweifelsohne
in
völliger
Übereinstimmung
mit
dem
Anblick
dieser
Arbeiten
hoch
auf
einem
werdenden
Dach
waren,
vom
Fahrrad
absteigen,
bei
der
Gartenarbeit
aufschauen,
auf
dem
Weg
zum
Einkaufen
innehalten, einen Arzttermin absagen…?
Das
wäre
an
diesem
Montagvormittag
viel
eher
jenen
Worten
aus
dem
Mund
der
beiden
Zimmerer
zuge
kommen,
die
ihnen
scharf
und
schneidend
wie
das
Jaulen
einer
Peitsche
entfuhren.
Davon
wären
die
meisten
Leute
sicherlich
hellhörig
geworden
und
einigen
unter
ihnen
wäre
gewiss
der
Schrecken
unter
die
Haut
gefahren.
In
ihrer
blinden
Wut
mochten
die
beiden
Zimmerer
sich
einen
Dreck
darum
geschert
haben,
dass
ihre
Kraftausdrücke
über
die
Baustelle
hinausdrangen
und
nicht
unter
ihnen
blieben
wie
das
Surren
des
Baukrans,
den
Kevin
führte.
Dennoch
war
es
unwahrscheinlich,
dass
zu
dieser geschäftigen Tages- und Jahreszeit ihr lauthalsiger Schlagabtausch ins Ohr Dritter fand.
Robert,
der
50-Jährige,
war
bis
aufs
Blut
gereizt.
Immer
wieder
regte
er
sich
über
Kevin
auf.
Dieser
blonde,
langhaarige
20-Jährige
war
bereits
seit
dem
frühen
Morgen
der
Anlass
und
das
Ziel
seiner
Wut.
Noch
war
es
zwi
-
schen
ihnen
nicht
zum
Streit
gekommen;
doch
er
lag
längst
in
der
Luft.
Stundenlang
hatte
Kevin
Roberts
Nörgeln
und
Schimpfen
ohne
ein
Wort der Entgeg
nung über sich ergehen lassen.
Bereits
in
der
Frühe,
beim
Beladen
des
Lasters
in
der
Zimmerei
in
Niederstob,
hatte
Sepp,
der
Chef,
ihn
vor
den
Kopf
gestoßen.
Nicht
wie
gewohnt
wurde
ihm
Rainer
zugeteilt,
sondern
Kevin.
Schon
am
Sonntag
hätte
er
diesen
erwürgen
können
und
den
Trainer
ohr
feigen
wollen.
Dieser
hatte
nicht
seinen
Sohn
in
der
ersten
Mannschaft
aufgestellt,
sondern
erneut
diesen
ballver
liebten
Dribbler.
Doch
nur,
weil
er
vor
einigen
Mona
ten
beim
Auswärtsspiel
in
Freystadt
einen
3:0
Pausenrückstand
noch
in
einen
4:3
Sieg
für
den
FC
Oberstob
verwandelt
hatte.
Es
wurmte
Robert,
dass
Kevin
von
solchen
Einzelleistungen
monatelang
zehren
konnte.
Sein
Sohn
jedoch,
der
mannschaftsdienlich
und
gradlinig
Fußball
spielte
wie
kein
Zweiter,
wurde
von
diesem
Trainer
wie
schon
so
oft
in
die
Reservemannschaft
verbannt,
oder
er
ließ
ihn
als
Auswechselspieler
auf
der
Bank
schmoren.
Was
müsse
auf
dem
Fußballplatz
noch
alles
geschehen,
dass
das
auch
einmal
diesem
Kevin
widerfahre,
hatte
sich
Robert
nach
dem
Auswärtsspiel
am
Sonntag
in
Woffenbach
nicht
zum
ersten
Mal
gefragt.
Dreimal
war
Kevin
mit
dem
Ball
am
Fuß
alleine
vors
Tor
gekommen
und
kein
einziges
Mal
hatten
auf
dem
Platz
die
Spieler
des
FC
Oberstob
und
draußen
dessen
Fans
jubeln
können.
Es
kam,
wie
es
kommen
musste:
Nach
dem
Schlusspfiff
verließen
die
Woffenbacher
als
glückliche
Sieger
den
Platz,
mit
einem
1:0,
das
ihnen
indirekt
Kevin
gescheckt hatte.
Mit
diesem
Versager,
der
beim
Beladen
des
Lasters
noch
nach
Alkohol
roch,
musste
er
auf
die
Baustelle.
Noch
schlimmer,
er
musste
ans
Steuer
des
Lasters.
Wussten
der
Chef
und
jedermann
in
der
Zimmerei
nicht
längst,
dass
er
seit
einiger
Zeit
lieber
auf
dem
Beifahrersitz
Platz
nahm?
So
gerne
er
sich
früher
selbst
ans
Steuer
eines
LKWs
gesetzt
hatte,
so ungern fuhr er seit einigen Jahren selbst.
Bereits
der
erste
Sparren,
den
am
Laster
ste
-
hend
Kevin
angegurtet,
an
den
Haken
des
Krans
gehängt
hatte
und
den
Robert
oben
am
Bau
ergreifen
sollte,
hätte
diesen
beinahe
von
dort
heruntergefegt.
»Wie
nur
hast
du
Depp
das
Holz
anghängt?
Ich
glaub´s
nicht!
–
Total
aus
der
Waag
und
verdreht.«
Robert
hatte
es
gleich
gewusst,
dass
mit
solch
einem
Mann auf der
Bau
-
stelle der Ärger vorprogrammiert war.
»Hast
das
Holz
am
Blei?«,
rief
Robert
zu
Kevin
hinunter,
der
am
Schwellenholz
stehend
den
Sparren
er
-
wartet
und
mit
beiden
Händen
entgegengenommen
hatte
und
ihn
dort
linksbündig
an
den
dicken
Bleistift
-
strich
drücken
und
dann
festnageln
sollte.
Als
Robert
Kevins
»Ja!«,
vernahm,
hämmerte
er
mit
seinem
Zim
-
mer
-
mannsbeil
den
Sparren
an
der
Pfette
fest,
und
Kevin
nagelte
ihn
ans
Schwellenholz.
Dann
quälte
sich
der
ruhige
Typ,
der
technisch
versierte
Fußballer,
den
sie
Bernd
riefen
–
sein
Aussehen,
seine
Statur
und
Spielweise
erinnerten
an
den
Blonden
Engel
,
an
den
großen
Bernd
Schuster
–,
langsam
die
Leiter
hinunter
und
über
-
gab
sich
an
der
Ziegelmauer
des
Rohbaus.
Wie
einen
Pullover
hatte
er
sich
der
Funksteuerung
des
Baukrans
entledigt,
die
vor
seinem
Bauch
hing.
Das
an
Hosenträgergurten
befestigte
Kästchen
hatte
er
so
im
letzten
Augenblick
vor
seinem
Mageninhalt
in
Sicherheit
bringen
können.
Nun
kommentierte
Robert
oben
auf
einer
Pfette
stehend
das,
was
seinen
Blicken
entzogen
war:
»Gscheit
sollst
dich
rumhaun
–
gescheit!
So
hört
sich
also
ein
blonder
Engel
an,
wenn
er
kotzt;
von
wegen
Engel
–
Reiher.«
Roberts
spöttische
Lacher
erreichten
Kevin
nicht.
Nachdem
er
mithilfe
einer
Schaufel
das
Gespiene
mit
Erde
abgedeckt
und
sich
die
Funksteuerung
wieder
übergestreift
hatte,
stieg
er
auf
den
Laster
und
befestigte
am
Haken
des
Baukrans
den
nächsten
Sparren.
Erneut
begann
Robert
zu
schimpfen:
»Hättst
den
Ball
ins
Tor
reinghaut
und
nicht
so
viel
gesoffen
gestern,
wenn
du´s
nicht
verträgst,
du
Depp,
du
Idiot,
du
blöder
Hund,
du
blöder!
Wenn
von
deiner
Kotzerei
der
Chef
was
spannt
oder
der
Bauherr
…
O
Gott?
–
Schon
am
Abend
ist
Richtfest
…«
Als
Robert
nach
dem
Balken
griff,
der
am
Kranhaken
zu
ihm
herunterschwebte,
hielt
er
inne.
Kaum
drei
Minuten
später
hatte
er
auch
diesen
Sparren
an
der
Pfette
festgenagelt.
Robert
hörte
und
sah,
dass
Kevin
unten
an
der
Mauerschwelle
noch
immer
hämmerte.
Erst
zur
Hälfte
hatte
er
den
Nagel
ins
Holz
getrieben.
Sein
nächster
Schlag
ging
daneben
und
mit
dem
übernächsten
schlug
er
den
Nagel
krumm.
Es
dauerte
einige
Minuten,
bis
er
den
langen,
dicken
Zimmermannsnagel
herausgezogen
und
an
seiner
Stelle
einen
neuen
im
Holz
versenkt
hatte.
»Wenn
das
in
dem
Tempo
so
weitergeht,
dann
können
wir
vom
Chef
was
erleben…!
Und
wer
ist
schuld
…?«,
schrie
Robert
aus
Leibeskräften
und
mit
unerbittlichem
Ernst
in
der
Stimme.
Nach
einiger
Zeit
spürte
Robert
die
Sonne
im
Rücken
und
blickte
auf
die
Uhr.
Es
war
zehn.
Die
Uhrzeit,
die
Robert
nannte,
war
das
erste
und
einzige
Wort
an
diesem
halben
Vormittag,
das
er
nicht
im
Zorn
von
sich
gegeben
hatte.
Während
die
Glocke
der
Stadtpfarr
kirche
zehn
Uhr
schlug,
schwebte
am
Haken
des
Krans
jener
Sparren,
mit
dem
eine
Seite
des
Dach
stuhls
vervollständigt
werden
sollte.
Davon
war
er
etwas später ein fester Bestandteil. Robert stieg auf diesen Sparren und ging zu Kevin hinunter.
Gehalten
und
geführt
von
seinen
Händen,
die
er
auf
die
Sparren
links
und
rechts
neben
sich
setzte,
ließ
er
sich
dann
wie
ein
Turner
am
Barren
mit
den
Füßen
voraus
aufs
Schutzgerüst
gleiten.
Von
dort
aus
überprüfte
er
mit
fachmännischen
Blicken
die
Arbeit
der
vergangenen
Stunden
–
aus
mehreren
Blickwinkeln
die
Front
der
Sparrenreihung.
Er
nickte
mit
mürrischem
Blick.
Es
schien,
er
wollte
dahinter
seine
Zufriedenheit
verstecken.
Nun
kletterte
er
zurück
auf
den
halbfertigen
Dachstuhl,
griff
nach
seinem
Beil,
das
er
dort
nach
dem
Herabsteigen
abgelegt
hatte,
und
stieg
von
einem
Sparren
zum
andern;
dabei
begutachtete
er
Kevins
Arbeit.
Sein
Ziel
war
der
Westgiebel.
»Ich
glaub,
ich
spinn!«,
entrüstete
er
sich
plötzlich
auf
der
Hälfte
seines
Weges.
»Du
Depp,
hast
ab
da
immer
wieder
einmal
einen
Sparren
fast
einen
Zentimeter
daneben
genagelt.
Bist
du
noch
zu
retten?«
Kevin
brachte
keinen
Laut
über
die
Lippen;
er
zuckte
mit
den
Achseln.
Robert
musterte
ihn
und
schrie:
»Du
bist
genauso
blöd
wie
deine
Alten.
Da
kann
ich
von
Glück
reden,
dass
ich
damals
deiner
Mutter
den
Laufpass
gegeben
hab!«
Kevin
hob
seinen
Blick
und
starrte
Robert
an.
Er
war
den
Tränen
nahe,
bewegte
seinen
Mund
als
ob
er
etwas
sagen
würde,
doch
er
konnte
sich
nicht
aus
den
Fängen
seiner
Verstummung
befreien.
Erst
als
seine
Tränen
flossen,
flossen
auch
seine
Worte.
Mit
ihnen
bezichtigte
er
Robert
der
Lüge.
Er
bebte:
»Meine
Mama
hätte
einen
wie
dich
nicht
einmal
mit
der
Beißzange
angfasst.
Du
bist
ein
ganz
hundsgemeiner
Sprüchbeutel
und
ein
Arschloch,
sonst
nichts!
Ein
richtiges
Arschloch
bist
du!
Dass
du´s
nur
weißt!«
Doch
Robert
trieb
seinen Spott auf die Spitze und behauptete: »Gvögelt ho is deij Muhda, und wij!«
»Du Sau, du lijchade!«, schrie Kevin aus Leibeskräften.
»Halt dein Maul, sonst kannst was erleben!«, drohte Robert.
»Halt
du
dein
Maul!«,
konterte
Kevin.
»Wie
seid
ihr
daheim
mit
deinem
Bruder
umgangen,
dem
Jimmy?
Davonghaut
hab ihr ihn und um sein Erbe betrogen – du und deine
schöne
Mutter, kaum dass dein Vater unter der Erde war!«
»Noch ein Wort und ich vergess mich!«, plärrte Robert, dass seine Stirnadern schwollen; dabei schwang er sein Beil.
»Hör
ruhig
an,
was
dein
eigener
Bruder
sagt«,
schrie
Kevin
zurück
und
wischte
sich
mit
der
flachen
Hand
seine
Tränen
von
den
Wangen;
er
weinte
nicht
mehr.
»Ich
treff
ihn
oft
im
Oberen
Ganskeller
in
Neumarkt
und
unterhalt
mich
mit
ihm«,
erzählte
Kevin
und
wiederholte,
dass
Roberts
älterer
Halbbruder
von
diesem
und
dessen
Mutter
vor
Jahren
geschlagen
und
vom
Hof
verjagt
worden
sei,
um
sich
dessen
Erbe
unter
den
Nagel
zu
reißen.
Dabei
versuchte
ihm
Robert
einige
Male
ins
Wort
zu
fallen
und
aufzutragen,
er
solle
an
diesen
arbeitsscheuen
Suffkopf
und
Taugenichts
von
»Stiefbruder«
ausrichten,
wenn
er
nochmals
bei
ihm
am
Hof,
im
Stall
und
in
der
Scheune
herumschleiche,
werde
ihn
sein
Hund
zerfleischen.
Doch
das
hatte
Kevins
Redefluss
nicht
ein
einziges
Mal
ins
Stocken
gebracht.
Im
Gegenteil:
er
hatte
Roberts
Störfeuer
den
Garaus
gemacht.
»Das
aber
willst
nicht
hörn,
ja.
Du
grausamer
Mensch,
du!«,
behauptete
Kevin
und
warf
ihm
mit
einem
herausfordernden
Lächeln
und
Blick
vor:
»Stief
bruder
sagst,
obwohl
er
dein
Halbbruder
ist.
Schäm
dich
doch,
du
scheinheiliger
Lump,
du!
Du
Pharisäer,
du!
Du
Wichser,
du!«
In
diesem
Augenblick
warf
Robert
sein
Beil
nach
ihm.
Es
verfehlte
Kevin.
Dieser
erbleichte.
Robert
stieg
auf
den
nächstbesten
Sparren
und
lief
quer
über
die
anderen
zu
Kevin
hinüber,
der
am
Ostgiebel
noch
immer
wie
angewurzelt
dastand.
Nun
jedoch
ergriff
er
die
Flucht;
schwang
sich,
gestützt
auf
seine
Linke,
mit
einem
Hüftsprung
um
sie
herum
über
einige
Sparrenköpfe.
Sein
Ziel
war
das
Schutzgerüst
des
zweigeschossigen
Rohbaus,
das
wie
ein
Balkon
dort
oben
hing.
Jene
Diele,
auf
die
Kevin
mit
beiden
Füßen
voraus
und
der
Wucht
und
Fallgeschwindigkeit
seines
Körpers
landete,
gab
nach
und
schnellte
am
anderen
Ende
in
die
Höhe.
Kevin
entfuhr
ein
Schrei
und
stürzte
durch
die
Lücke,
die
sich
im
Nu
unter
ihm
aufgetan
hatte,
in
die
Tiefe.
Dort
lagen
Amiereisen.
Sein
Oberkörper
wurde
von
einigen
Winkeln
durchstoßen,
die
mit
einem
Schenkel
wie
rostige
Spieße
senkrecht
aus
dem
etwa
drei
Meter
breiten
und
fünf
Meter
langen
Eisenpaket
ragten.
Auf
dem
Dach
war
Robert
mittlerweile
am
Ostgiebel
angekommen,
wo
er
Kevin
hatte
verfolgen
oder
stellen
wollen.
Nun
stand
er
dort
oben
und
schaute
nach
unten.
Durch
die
Lücke
im
Gerüstboden
sah
er
Kevin
liegen.
Er
rührte
sich
nicht
mehr.
Die
Diele,
die
unter
ihm
wie
eine
Wippschaukel
nachgegeben
hatte,
ohne
jedoch
in
der
Abwärtsbewegung
gestoppt
worden
zu
sein,
war
ihm
senkrecht
hinterhergefallen
und
mit
der
Kante
voraus
auf
seinen
Hals
gestoßen.
Einige
Augenblicke
stand
dieses
fünf
Meter
lange
Brett
kerzengerade
in
der
Luft,
bevor
es
umstürzte
und
einige
Handbreiten
hinter
Kevins
Kopf
auf
das
Amiereisenpaket
donnerte.
Robert
stand
das
Entsetzen
ins
Gesicht
geschrieben.
»Das
wollte
ich
nicht!«,
stammelte er vor Schreck. »Das wollte ich nicht! Nein!«
Er
erstarrte,
wollte
wegschauen
und
konnte
dennoch
seinen
Blick
nicht
abwenden.
Er
presste
sich
eine
Hand
vor
die
Augen,
um
nicht
länger
die
Enden
der
beiden
Amiereisenwinkel
sehen
zu
müssen,
die
wie
Stilette
durch
Kevins
Bauch
und
Brust
gedrungen
waren.
Ihr
Rost
konnte
unter
dem
Blutfilm,
der
sich
auf
ihnen
gebildet
hatte,
nur
mehr
vermutet
werden.
Robert
blickte
um
sich:
Nirgends
war
jemand
zu
sehen;
selbst
die
Straßen
und
Wege
waren
leer.
Er
wusste
nicht,
ob
er
zuerst
zu
seinem
Handy
greifen
oder
sich
um
Kevin
kümmern
sollte.
Schließlich
zitterte
er
es
aus
der
Tasche
und
tippte die 112.
2.
Frieser
war
mit
sich
uneins.
Sollte
er
sich
endlich
dazu
aufraffen,
an
der
unerledigten
Sache
zu
arbeiten
und
sie
beenden
oder
Feierabend
machen?
Schon
seit
eini
-
ger
Zeit
fand
er
kaum
noch
Gefallen
an
seiner
Arbeit,
wenngleich
noch
weniger
am
Feierabendmachen.
Sie
hatte
sich
im
Laufe
seiner
fast
40
Dienstjahre
eigentlich
nicht
verändert.
Doch
wie
ein
ermittelnder
Kripobe
-
amter
seinen
Dienst
ausführen
sollte,
damit
fremdelte
er
nach
jeder
Einweisung
in
ein
neues
Computerprogramm
und
nach
jeder
Fortbildung
ein
wenig
mehr.
Dennoch
hatte
er
sich
keiner
einzigen
Neuerung
ver
-
schlossen.
Einerseits
war
er
froh,
dass
er
in
einigen
Wochen
in
Pension
gehen
würde,
andererseits
ängstigte
er
sich
ein
wenig
davor,
seine
tägliche
Ordnung
einzubüßen.
Das
Kaffeetrinken
in
der
Frühe
und
am
Nachmittag,
das
längst
zum
Ritual
geworden
war,
genauso
wie
das
Brotzeitmachen
bei
der
Arbeit
am
Computer,
den
Plausch
mit
Kolleginnen
und
Kollegen,
mit
denen
ihm
gegenseitige
Sympathie
verband.
Er
hoffte,
dass
er
in
keine
Sonderkommission
mehr
berufen
werden
würde,
wo
er
doch
nur
ein
Rädchen
im
Getriebe
wäre.
Alleine
hätte
er
sich
selbst
an
seinem
letzten
Tag
im
Amt
noch
in
den
rätselhaftesten
Todesfall
verbissen.
Doch
im
Team
machte
ihm
die
Arbeit
bereits
seit
vielen
Jahren
keine
Freude
mehr.
Teamarbeit
und
Dokumentation
wurden
jedoch
mehr
denn
je
vom
Ministe
rium
gewünscht
und
nicht
selten
auch
angeordnet.
Jeder
Federstrich,
jedes
Wort
sollte
nachvollziehbar
sein,
im
Team
sollte
das
beste
Konzept
gefunden
und
auch
vollzogen
werden.
Meist
eine
Plattform
für
manche
Kolleginnen
und
Kollegen,
um
sich
in
Szene
zu
setzen,
wie
Frieser fand.
Ihm,
dem
Einzelgänger,
der
Katzen
liebte
und
dem
Hunde
nicht
geheuer
waren,
fiel
das
schwer;
Beförderungen
verspäteten
sich.
Daheim
stellte
man
unange
nehme
Fragen,
auf
die
er
seit
Jahren
nur
noch
mit
einem
Achselzucken
reagierte.
Wieder
wurde
ein
Kollege
mit
weniger
Dienst-
und
Lebensjahren
sowie
gelösten
Fällen
vor
ihm
befördert.
Der
Leberkäse
und
der
Sekt,
die
es
bei
der
kleinen
Feier
gegeben
hatte,
stießen
ihm
auf.
Ihm
graute,
nach
Hause
zu
kommen.
Einst
war
ihm
dieser
Zustand
fremd
–
gänzlich
fremd,
nicht
zuletzt,
weil
seine
Frau
noch
nie
so
unerbittlich
wie
jüngst
ihm
angekündigt
hatte:
»Früher
oder
später
werde
ich
dich
verlassen!
«
Längst
hegte
er
keine
Hoffnung
mehr,
sich
mit
einem
Fall
ganz
alleine
befassen
zu
können.
Dazu
gehörte
auch,
dass
er
ihn
erst
in
den
Computer
tippte,
wenn
er
ihn
gelöst
hatte.
Bis
zu
diesem
Zeitpunkt
hatte
er
ohnehin
alles
im
Kopf
und
in
Stichworten
in
seinem
Notizbuch.
Diese
Arbeitsweise
quittierte
man
in
seiner
Dienststelle
nur
noch
mit
Kopfschütteln.
Es
zählte
nicht
mehr,
dass
er
alleine
am
erfolgreichsten
war.
Doch
er
erntete
nicht
Anerkennung,
sondern
er
fühlte
sich
gemobbt
und
zurückgesetzt.
Er
stritt
ja
nicht
ab,
dass
er
nicht
besonders
fleißig
und
höchstens
ein
wenig
überdurchschnittlich
intelligent
war.
Doch
er
glaubte,
er
sei
kreativ
wie
niemand
sonst
in
den
K-Gruppen,
in
der
Spurensicherung,
in
der
Gerichtsmedizin
und
in
den
zuständigen
Staatsanwaltschaften.
Davon
war
er
überzeugt.
Doch
von
der
neuen
Staatsanwältin,
die
bei
ihm
zunächst
einen
guten
Eindruck
hinterlassen
hatte,
konnte
er
we
der
Verständnis
noch
Rückendeckung
für
seine
Art
des
Ermittelns
und
Sachbearbeitens
erwarten,
von
sei
nem
Vorgesetzten
im
Amt
sowieso
nicht.
»Krea
tivität
ist
in
der
Kriminalistik
nicht
mehr
gefragt«,
trau
erte
Frie
ser
alten
Zeiten
nach
und
fuhr
den
Com
puter
herunter.
Er
hatte
ihn
vor
zwei
Stunden
hochge
fahren,
weil
er
seine
Arbeit
der
letzten
Tage
als
Räd
chen
im
Getriebe
einer
Sonderkommission
dokumentieren
sollte.
Keine
Frage,
es
hätte
ihn
vor
keine
technischen
und
intellek
tuellen
Probleme
gestellt,
doch
nicht
ein
mal
einen
ein
-
zigen
Buch
staben
hatte
er
in
die
Datei
zu
tippen
ver
mocht.
Sie
befanden
sich
noch
immer
in
sei
nem
Kopf
und
Notizbuch.
Eine
junge
Frau,
die
seit
langem
ver
misst
wurde,
sollte
end
lich
gefunden
werden.
In
Nürnberg
hatte
er
nach
den
strikten
Vorgaben
der
Ermittlungs
spitze
Adressen
über
prüft,
Personen
be
fragt,
Zugver
bindungen
verifiziert.
Die
Liste
war
abge
arbeitet,
und
seine
Ergebnisse
sollte
er
morgen
wäh
rend
der
Lagebesprechung
der
Sonderkommission
vortragen
und
in
Schriftform
zu
den
Akten
geben.
Bevor
er
sich
endlich
daran
machte,
sie
zu
erstellen,
wollte
er
sich
noch
einen
Kaffee
holen.
Er
hoffte,
dass
Renate,
die
drei
Töchter
hatte
und
im
Betrieb
ihres
Mannes
das
Büro
schmiss,
Christine,
die
die
gute
Seele
der
ganzen
Gruppe
war,
und
Anne
Kathrin,
die
vom
großen
Glück
mit
ihrem
Neuen
schwärmte
und
dennoch
bezweifelte,
endlich
den
Richtigen
gefunden
zu
haben,
noch
drüben
seien
–
wenigstens
eine
von
ihnen.
Frieser
hatte
keine
Zweifel,
dass
ihm
jede
von
ihnen
sofort
ansehen
würde,
was
ihm
in
diesem
Augenblick
auf
dem
Herzen
lag.
Längst
hatte
er
sich
ohne
den
Rest
eines
Grolls
damit
abgefunden,
dass
er
in
den
Augen
keiner
dieser
Schönheiten
als
Mann
ihr
Typ
war.
Mit
den
Jahren
hatte
er
auch
akzeptiert,
dass
er
überhaupt
nicht
das
war,
was
man
unter
einem
Frauentypen
ver
stand.
Viel
leicht
war
er
ein
Frauenversteher,
wenn
gleich
nicht
zu
Hause.
Wie
auch
immer,
der
Geschmack
und
die
Vorlieben
der
Frauen
waren
ihm
ein
Rätsel
geblieben.
Seit
Jahr
und
Tag
war
er
schlank
und
hatte
selbst
als
Fast
pensionist
noch
ein
fast
jungenhaftes
Gesicht,
einen
Fastadonis
körper
und
fast
noch
keine
grauen
Haare
am
Kopf.
Doch
deswegen
glaubte
er
bei
den
Frauen
nicht
höher
im
Kurs
zu
stehen
wie
als
20-Jähriger.
Vielleicht
lag
es
auch
daran,
dass
er
sich
nicht
besonders
schick
kleiden
wollte,
kein
Aftershave
benutzte,
sich
nur
mit
Kernseife
wusch,
nicht
jeden Tag duschte, keinen
Dreitage
bart trug, dieselben Geschichten und
Witze immer wieder erzählte, Pointen vergaß…
Die
drei
Damen
waren
schon
gegangen
und
die
Kaf
feemaschine
war
aus
gesteckt.
Unverrichteter
Dinge
kehrte
Frieser
in
sein
Büro
zurück.
Sein
Mund
war
trocken,
sein
Magen
flau.
In
sauren
Bratwürsten,
neubackenem
Schwarz
brot
und
in
ein,
zwei,
drei
Pilsbieren
wusste
er
dafür
die
einzig
wirksamen
Gegenmittel.
Doch
die
Aussicht
auf
diese
Medizin,
diese
Genüsse
waren
ihm
in
diesem
Augen
blick
so
fern
wie
die
Gunst
einer
schönen
Frau.
Dabei
hätte
er
sich
in
diesen
Sekunden
sogar
mit
einem
Lä
cheln
begnügt.
Frieser
war
sich
sicher,
dass
es
ihm
dann
leichter
fallen
würde,
den
Computer
erneut
hochzufah
ren,
um
endlich
seine
Recherchen
niederzuschreiben.
Er
erinnerte
sich
an
seine
Kinderzeit.
Als
kleiner
Bub
ertappte
er
sich
oft
in
der
Haut
eines
anderen.
Wehmut
überkam
ihn.
Stunden-
wenn
nicht
tagelang
weidete
er
sich
an der Vorstel
lung, Winnetou, Pelé
oder Siegfried der Drachentöter zu sein.
Das
Telefon
klingelte.
Sollte
er
abheben
oder
den
Computer
einschalten?
Er
überlegte,
obschon
er
wusste,
dass
er
früher
oder
später
abheben
würde.
Den
Hörer
am
Ohr
sagte
er
entgegen
seiner
Gewohnheit
»Ja!«,
obwohl
er
seinen
Namen
nennen
wollte.
Die
Staatsanwältin
befand
sich
am
anderen
Ende
der
Leitung.
Außergewöhnlich.
Bei
bislang
jeder
Begegnung
mit
ihr
hatte
ihn
das
Gefühl
beschlichen,
sie
würde
auf
ihn
herabschau
en.
Nicht
zuletzt,
so
glaubte
er,
weil
sie
wegen
des
Größenunterschieds,
den
selbst
ihre
hohen
Hacken
nicht
ganz
zu
egalisieren
vermochten,
zu
ihm,
dem
Fast
einsachtzigathleten
aufschauen
musste,
und
er
sagte
sich:
»Die
würde
ich
nicht
einmal
dann…,
wenn
nach
einem
gigantischen Meteoriteneinschlag nur sie und ich übrigblieben.«
»Wer ist am Apparat?«
»Frieser!«
»Ist niemand sonst von den Ermittlern Ihrer K-Gruppe da?«
»Nein, nur ich! Ob Sie wollen oder nicht, Sie müssen zu dieser späten Stunde mit mir vorliebnehmen!«, sagte Frieser.
»Was tun Sie so lange im Amt?«
»Kaffee trinken und saure Bratwürste essen!«
»Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?«
»Das
würde
ich
mir
nie
erlauben,
Frau
Staatsanwältin!«,
gab
Frieser
todernst
von
sich
und
hörte,
wie
die
Frau
schluckte
und
ausatmete.
»Irgendwie
ist
die
Poli
zeiinspektion
Neumarkt
direkt
bei
mir
gelandet«,
hob
sie
nach
einer
Atempause
an.
»Diese
Verirrungen
der
Amtswege,
o
Gott.
Wie
auch
immer,
letztendlich
zu
ständig
wäre
ich
ohnehin«,
verhehlte
sie
ihre
Wichtig
keit nicht und kicherte. Die Frau hatte eine hohe Stimme. Frieser empfand sie süßlich – unangenehm.
»Was Sie nicht sagen, Frau Staatsanwältin«, meinte er. Dabei war sein Tonfall von verhaltenem Spott durchweht.
»Hören
Sie,
Herr
Frieser,
die
Polizeiinspektion
Neu
markt
wurde
zu
einem
Todesfall
gerufen,
bei
dem
auch
die
Kripo
gefragt
ist.
In
dem
Ort
Oberstob
fand
ein
Landwirt
seine
hochbetagte
Mutter
tot
in
der
Scheune.
Vielleicht
ein
landwirtschaftlicher
Unfall.
Der
Notarzt
stellte
eine
unnatürliche
Todesursache
fest.
Sehen
Sie
sich
mit
der
Spurensicherung
und
der
Gerichtsmedizin
dort
einmal
um.
Schön
wäre,
wenn
die
Kripo
doch
mit
zwei
Ermittlern
vor
Ort aufkreuzen würde«, sagte die Staatsanwältin.
»Ich weiß, was Sie meinen, Frau Staatsanwältin!«, er
widerte Frieser. Er musste schlucken und dachte: »Du blöde Kuh!«
»Dann
sind
wir
uns
ja
einig.
Doch
ich
denke,
mit
die
sem
Fall
würden
Sie
zur
Not
auch
alleine
zurechtkom
men«,
räumte
die
etwa
40-Jährige
am
anderen
Ende
der
Leitung
ein.
»Alleine
zu
ermitteln,
davor
fürchte
ich
mich
nicht
–
davor
habe
ich mich noch nie gefürchtet, im Gegenteil …«, betonte Frieser.
Ȇbrigens,
bereits
in
dieser
Woche
–
am
Montag
-
vor
mittag
–
stürzte
in
Freystadt
ein
junger
Zimmerer
vom
Dach,
und
der
Ort
Oberstob
liegt
meines
Wissens
zwi
schen
Freystadt
und
Neumarkt«,
berichtete
die
Staats
anwältin,
ohne
auf
Friesers
Bemerkung
auch
nur
mit
einem
Wort
eingegangen
zu
sein,
und
fragte:
»Drang
das
im
Amt
nicht
bis
zu
ihnen
durch?«
»Nein!«,
antwortete
Frieser
und
meinte:
»Möglicher
weise
waren
die
Kollegen
Spontl
und
Neum
vor
Ort.«
Währenddessen
wurde
die
Tür
geöffnet.
Frieser
blickte
zur
Seite
und
sah
Bachmann.
»Frau
Staatsanwältin,
Sie
können
beruhigt schlafen, der Kollege Bachmann steht in der Tür.«
»Bitte, geben Sie ihn mir!«
»Wie Sie wünschen, Frau Staatsanwältin!«
3.
Bachmann
setzte
sich
ans
Steuer.
Darüber
war
Frieser
froh.
Nach
der
Erledigung
ihrer
Ermittlungen
in
Ober
stob
wollte
er
ihm
vorschlagen,
auf
dem
Weg
zurück
nach
Regensburg
beim
Baptist
in
Sülzbürg
einzukeh
ren.
Denn
dessen
Frau
hatte
jeden
Donnerstag
saure
Bratwürste
auf
dem
Herd.
Und
Frieser
konnte
sich
dazu
ein,
zwei,
drei
oder
vier
Pilschen
genehmigen, während Bachmann mit Alkoholfreiem vorlieb nehmen musste.
Bei
seinen
Radtouren
entlang
des
Main-Donau-Kanals
und
des
Ludwig-Donau-Main-Kanals
hatte
er
vor
eini
gen
Jahren
zufällig
dieses
alte
Wirtshaus
entdeckt.
Es
sollte
im
Laufe
der
Zeit
auch
halten,
was
seine
Fachwerkfassade,
sein
schattiger
Biergarten,
seine
holzvertäfelte
Wirtsstube
und
sein
ergrauter
und
doch
junggeblie
bener
Wirt,
der
die
Musik
und die Literatur liebte, Frieser versprochen hatten.
Es
war
auf
Mittag
zugegangen.
Im
teilweise
von
hohen
Linden
und
Kastanien
beschatteten
Biergarten
saßen
Einheimische
beim
Frühschoppen.
Sie
diskutierten
über
Fußball,
schimpften
über
die
Geldgier
der
Oberen,
gran
telten
über
die
Dürftigkeit
des
Daseins
und
belus
tigten
sich
über
die
Missgeschicke
und
die
Dummhei
ten
von
lebenden
und
toten Zeitgenossen.
Frieser
hatte
sich
an
den
Nebentisch
zu
einem
anderen
Radfahrer
gesetzt
und
sich
ein
großes
Wasser
bestellt.
Dieser
bedauerte,
dort
leider
mit
der
prallen
Sonne
vorliebnehmen
zu
müssen.
Bei
ihnen
am
Tisch
sei
Platz
und
Schatten
mehr
als
genug,
lud
sie
ein
etwas
unter
setzter
Mann
von
Mitte
60,
dessen
Haupthaar
etwas
zurückgewichen
war,
mit
einem
gewinnenden
Lächeln
ein.
Sein
etwas
älterer
Tischnachbar
zu
seiner
Linken
nickte.
Trotzdem
senkte
er
seinen
Kopf,
klappte
seine
Augenlider
hoch
und
beäugte
misstrauisch
die
beiden
Neuen
am
Tisch;
dabei
glitt
seine
Rechte
über
sein
sil
bergraues
Haupt.
Als
der
Wirt
mit
Friesers
großem
Was
-
ser
an
den
Tisch
zurückkehrte,
brachte
er
diesem
schlanken
Mann
ein
irdenes
Schnupftabaksgefäß.
Es
hatte
die
Form
einer
kleinen
Vase
oder
eines
Bocks
beutels
und
war
mit
Edelweiß
bemalt.
Damit
klopfte
er
sich
eine
Prise
auf
seinen
linken
Handrücken
und
schnupfte.
»Wollen
Sie
auch
eine?«,
hieß
er
an
diesem
heißen
Sommertag
Frieser
und
den
anderen
willkom
men.
Beide
bedankten
sich
und
lächelten.
»Ihr
wisst nicht, was gut ist!«
Ohne
ein
Wort
zu
sagen,
amüsierte
sich
sein
schmächtiger
Altersgenosse,
der
links
neben
ihm
beim
Bier
saß,
über
die
Ablehnung
des
Angebots.
Sein
lebhaftes
Lächeln
war
unverkennbar
ein
Ausdruck
dessen.
Doch
plötzlich,
als
wollte
er
sich
für
seine
Schadenfreude
entschuldigen,
streckte
er
den
Handrücken
seiner
Linken
zu
seinem
Nebenmann
hinüber.
Er
nickte und lächelte, als ihm eine Prise aufgeladen
wurde.
Frieser
hoffte,
diese
Männer,
die
er
danach
näher
kennen-
und
schätzen
gelernt
hatte,
an
diesem
Abend
zu
treffen.
»Schorsch,
was
hältst
du
davon,
auf
der
Rück
fahrt
nach
Regensburg
am
Sulzbürg
einzukehren?«,
schlug
Frieser
vor,
»Dort
gibt
es
jeden
Donnerstagabend
saure
Bratwürste
und
eine
gute
Unterhaltung.«
Bachmann
wiegte
mit
dem
Kopf.
»Na
gut,
dann
eben
nicht«,
machte
Frie
ser
einen
Rückzieher
und
deutete
nach
rechts.
Seit
einigen
Minuten
befanden
sie
sich
auf
der
Straße
von
Mühlhausen
nach
Freystadt
und
ließen
nun
Sulzbürg
rechts
liegen.
In
etwa
500
Meter
Entfernung
erstreckte
sich
dieser
Ort
an
einem
Berg,
flankiert
von
zwei
vorgelagerten
Hügeln.
Ganz
oben
ragten
zwei
Kirch
türme
aus
dem
dichten
Schwarzgrün
des
Walds,
der
wie
eine
Haube
den
Berg
bedeckte.
Weiter
unten
waren
einige
helle Häuser mit roten Dächern erkenn
-
bar. »Dort oben ist auch dieses Wirtshaus«, merkte Frieser an.
»Ich bin gespannt, was uns in Oberstob erwartet«, meinte Bachmann.
»Ein Bauer fand seine Mutter tot in der Scheune«, so Frieser.
»Sicherlich ein Unfall«, meinte Bachmann. Nachdem sie durch einige Dörfer gefahren waren, erstrahlte im versinkenden
Rot der untergehenden Sonne plötzlich eine grünspangrüne Barockkuppel. »Die Wallfahrtskirche von Freystadt«, erklärte
Frieser. »Ich kenne sie von meinen Radtouren.«